Osterloh: Bei den Betriebsratswahlen zählt Geschlossenheit
Der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung ein langes Interview gegeben, das am heutigen Freitag veröffentlicht wurde. Wir dokumentieren es hier:
Bernd Osterloh: VW garantiert sichere Jobs
„Wir müssen gegenüber dem Management Geschlossenheit zeigen“
WAZ: Ist die neue VW-Beschäftigungsgarantie bis Ende 2014 ein Erfolg, oder gibt das Unternehmen diese Garantie nur, weil sowieso genügend Arbeit da ist?
Osterloh: Freiwillig gibt das Unternehmen uns keine Beschäftigungssicherung. Wir haben sie gefordert und eine fünfjährige Beschäftigungsgarantie durchgesetzt. Der Fall Nokia zeigt deutlich, dass auch erfolgreiche Unternehmen Beschäftigungssicherung brauchen. Hätte es bei Nokia-Bochum, wo Geld verdient wurde, Beschäftigungssicherung gegeben, hätte der Konzern die Arbeitsplätze nicht so einfach verlagern können. Mit dem neuen Vertrag zur Beschäftigungssicherung bis Ende 2014 haben wir das Pflaster geklebt, bevor es überhaupt blutet. Das gibt unseren Kolleginnen und Kollegen und ihren Familien Sicherheit für die Zukunft.
WAZ: 100 Millionen Euro umfasst der klassische Innovationsfonds bei Volkswagen. Jetzt kommen laut Tarifvertrag noch einmal 80 Millionen Euro in einem zweiten Investitionsfonds hinzu, um neue Beschäftigungsfelder zu erschließen. Wie soll das geschehen?
Osterloh: Ich weiß nicht, woher Sie diese Zahlen nehmen. Aber richtig ist, wir müssen uns Gedanken machen, wie wir auch entlang der klassischen Automobilproduktion und darüber hinaus wettbewerbsfähige Produkte entwickeln können, um langfristig Arbeitsplätze bei Volkswagen zu sichern.
WAZ: Nennen Sie Beispiele.
Osterloh: Es geht jedenfalls nicht darum, wer die spannendste und kurioseste Idee hat. Es geht darum, ob etwas wirtschaftlich effektiv sein und zugleich Arbeitsplätze schaffen kann. Ein Beispiel sind die Blockheizkraftwerke, die Volkswagen in Salzgitter produziert. Da sind beide Voraussetzungen gegeben. Um einen weiteren Ansatz anzudeuten: Mit Motoren, die bei Volkswagen gebaut werden, kann man nicht nur heizen, sondern auch kühlen.
WAZ: Volkswagen baut künftig auch Kühlanlagen?
Osterloh: Wir werden mit Sicherheit nicht über jede Idee sprechen, damit sie dann im Vorfeld schon kaputt diskutiert wird. Fest steht: Bevor bei Volkswagen in ein neues Projekt investiert wird, gibt es einen klassischen Business Case. Von der Idee über die Umsetzung bis hin zur Marktreife wird alles auf einen möglichen Geschäftserfolg hin durchgespielt. Und wir werden darauf achten, dass das auch Beschäftigung bringt.
WAZ: Für wann rechnen Sie denn mit einem weiteren neuen
Produkt von Volkswagen?
Osterloh: Wir haben jetzt durch die Fonds die Voraussetzung, uns auf den Weg zu machen. Wir müssen einen systematischen Prozess im Unternehmen implementieren, um neue Geschäftsfelder zu identifizieren. Die spannende Frage ist dann, welche Idee sich durchsetzt und wie schnell das Produkt die Investitionen wieder einspielen kann.
WAZ: Volkswagen will die Produktivität jedes Jahr um zehn Prozent steigern. Sind die Arbeitsplätze dadurch nicht bedroht?
Osterloh: Klar ist: Wir brauchen Produktivitätsfortschritte, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und damit die Sicherheit der Arbeitsplätze zu erhalten. Deshalb ist auch eine stetige Verbesserung unserer Abläufe ein Bestandteil zur Sicherung von Beschäftigung. Und im übrigen: Wenn wir die Prozesse nicht verbessern, dann kommt das Unternehmen wieder und will Zugeständnisse der Belegschaft bei den Tarifverträgen. Wir sind nicht allein auf der Welt und unsere Konkurrenten schlafen nicht. Deshalb wäre es fatal, wenn wir nicht den Anspruch hätten, auch in unseren Abläufen besser zu sein als der Wettbewerb. Genauso viel Energie müssen wir aber in die Sicherung der Beschäftigung stecken. Die Verpflichtung dazu ergibt sich aus dem aktuellen Tarifabschluss. Und die Erschließung neuer Geschäftsfelder wird ihren Beitrag dazu leisten.
WAZ: Bei Volkswagen stehen Betriebsratswahlen an. Mit welchem Ergebnis rechnen Sie?
Osterloh: Erst einmal geht es um eine hohe Wahlbeteiligung. Wir müssen gegenüber dem Management genau wie bei der vergangenen Wahl Geschlossenheit zeigen. Nur wenn wir auch in den kommenden vier Jahren mit einem starken Mandat unserer Kolleginnen und Kollegen in Verhandlungen mit dem Konzernvorstand gehen können, werden wir Erfolge für die Belegschaft erzielen. Deshalb macht uns auch bei dieser Wahl jede Stimme stark. (Zitatende)
Link zum Artikel in der WAZ:
WAZ, 26.02.2010: Osterloh: VW garantiert sichere Jobs


