26.02.2010 | Wahlaufruf an Leih- und Zeitarbeiter

Patta: Besonders Leiharbeiter brauchen eine starke Interessenvertretung

Gleiche Arbeit - Gleiches GeldAnlässlich der bevorstehenden Betriebsratswahlen im Verantwortungsbereich der IG Metall Verwaltungsstelle Wolfsburg hat sich der 1. Bevollmächtigte, Frank Patta, mit einem Brief an die in der IG Metall organisierten Zeit- und Leiharbeiter gewandt und sie dazu aufgerufen, wählen zu gehen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im März finden im Bereich der IG Metall Verwaltungsstelle Wolfsburg die Betriebsratswahlen 2010 statt. Als IG Metall werben wir dabei nicht nur um die Stimmen der Stammbelegschaften. Wir unterscheiden nicht zwischen Kollegen – egal ob sie festangestellt oder als Leiharbeiter eingesetzt sind. Kollege ist Kollege, das ist unser gewerkschaftliches Selbstverständnis!

Die IG Metall Wolfsburg und unsere Betriebsräte vor Ort haben in den zurückliegenden Jahren deutlich gemacht, dass die Situation der Zeit- und Leiharbeitnehmer ein fester Bestandteil unserer Arbeit ist. Wir setzen uns dafür ein, dass

  • Leiharbeitnehmer nicht als „Beschäftigte zweiter Klasse“ behandelt werden,
  • gleicher Lohn für gleiche Arbeit bezahlt wird,
  • die Etablierung eines Niedriglohn-Sektors verhindert wird,
  • es keine Dumping-Tarifverträge in der Leih- und Zeitarbeitsbranche gibt,
  • Stammbelegschaft und Leiharbeitnehmer nicht gegeneinander ausgespielt werden,
  • kein Klima des Heuern & Feuern um sich greift,
  • möglichst viele Zeit- und Leiharbeiter in unbefristete Beschäftigungsverhältnisse übernommen werden,
  • Beschäftigung am Standort Wolfsburg und in der Region gehalten und ausgebaut wird.

In vielen Betrieben arbeiten Zeit- und Leiharbeiter mit den Stammbeschäftigten bereits über einen langen Zeitraum zusammen. Die Kolleginnen und Kollegen sind völlig in den Betriebsablauf integriert. Arbeitsleistung und –qualität sind nicht zu unterscheiden. Die einzigen, wenn auch gewichtigen Unterschiede: die Bezahlung und die Befristung des Arbeitsverhältnisses. Für die IG Metall haben deshalb „Equal Pay“ und „Equal Treatment“ (gleiche Bezahlung und gleiche Behandlung) sowie eine möglichst lange Beschäftigung bis hin zur Übernahme in eine Festanstellung oberste Priorität. Dabei geht es uns nicht allein um die Durchsetzung fairer Arbeitsbedingungen und einer gerechten Entlohnung: Zukunftssicherheit für die Leiharbeiter bedeutet auch Zukunftssicherheit für Eure Familien. Auch das ist gewerkschaftliches Selbstverständnis!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Leiharbeiter sind, rechtlich gesehen, das schwächste Glied im Betrieb. Das ist von der Lobby in Wirtschaft und Politik auch so gewollt. Umso wichtiger ist es für Euch, eine starke Organisation wie die IG Metall an Eurer Seite zu haben. Keine der anderen Listen, die in verschiedenen Betrieben antreten werden, hat eine vergleichbare Durchsetzungskraft, Erfahrung und Professionalität. Gerade in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise kommt es aber genau darauf an, wenn Eure Interessen nicht unter die Räder kommen sollen. Deshalb werben wir um Eure Stimme.

  • Wählen gehen: Mitbestimmen!
  • Deine starke Stimme für Deine Interessen: IG Metall!
  • Wählt die Liste der IG Metall in Eurem Betrieb!
  • Leiharbeit fair gestalten – gleiche Arbeit, gleiches Geld!

Mit kollegialen Grüßen

Frank Patta, 1. Bevollmächtigter, IG Metall Wolfsburg
Thorsten Ohst, Fachsekretär Leih- und Zeitarbeit, IG Metall Wolfsburg

Download des Briefes als PDF-Datei (27 KB)

2 Kommentare

  1. Tronix schrieb:

    Leiharbeit ist ein Problem. Aber mit der Forderung “Gleiche Arbeit – Gleiches Geld” sollte die IG Metall erstmal bei sich selbst anfangen. Eine Gewerkschaft, die mit ihren Tarifabschlüssen dafür sorgt, daß bei identischer ERA-Einstufung (also gleiche Arbeit) in Baden-Württemberg das Brutto-Gehalt 30% höher ist als in Bayern und regelmäßig mit prozentualen Gehaltserhöhungen dafür sorgt, daß die Einkommensschere immer weiter auseinander geht, ist meiner Meinung nach unglaubwürdig und macht sich lächerlich. Ich glaube, es geht der IG Metall nur um Mitgliederwerbung.

  2. Niko schrieb:

    Zu meinem Vorredner: Ich glaube, du bringst da etwas durcheinander. Nicht die Gewerkschaft sorgt für unterschiedliche Einkommen, sondern die Arbeitgeber. Damit die Forderung “Gleiches Geld für gleiche Arbeit” durchgesetzt werden kann, braucht es möglichst viele, möglichst aktive Gewerkschaftsmitglieder. Leider ist das gerade im Leiharbeitsbereich nicht so einfach hinzubekommen. Insofern hast du mit der Feststellung recht, dass es immer (auch) um Mitgliederwerbung geht.

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