Hörmann will Betriebsräte durch die “kalte Küche” abservieren
Der Firma Hörmann Industrietechnik GmbH steht eine Auseinandersetzung mit der IG Metall Wolfsburg ins Haus. Auslöser ist die bevorstehende Entlassung von zwei neu gewählten Betriebsräten, zwei Nachrückern und einem derzeit noch amtierenden Betriebsrat, die alle in der Verwaltung des Unternehmens beschäftigt sind. Für weiteren Unmut sorgt die Ankündigung der Firmenleitung, die Betriebsratswahlen wegen angeblich falscher Wählerlisten anfechten zu wollen.
Bei der Betriebsratswahl am 31. März hatte die IG Metall-Liste 81,6 Prozent der Stimmen geholt und stellt damit sechs von sieben Mitglieder des Gremiums. Eine konkurrierende arbeitgebernahe Liste kam hingegen nur auf 18,4 Prozent und ein Mandat. “Wir gehen davon aus, dass der Geschäftsführung das Ergebnis nicht gefallen hat”, vermutet der scheidende Betriebsratsvorsitzende Michael Beer als Motiv für die nun eingeleiteten Schritte.
Laut Betriebsverfassungsgesetz genießen Betriebsräte einen besonderen Kündigungsschutz. Der greift in diesem Fall aber nicht, weil überraschend die gesamte Abteilung geschlossen und die Aufgaben auf die Niederlassung Braunschweig übertragen werden sollen. “Augenfällig ist, dass die Verwaltungsangestellten, die auf der arbeitgebernahen Liste kandidiert haben, bis auf eine Kollegin alle Jobalternativen angeboten bekommen haben”. Die fünf Metaller hingegen sollen “durch die kalte Küche abserviert werden”, so Beer.
Seit Herbst 2009 sind bereits rund 50 Stellen am Standort Wolfsburg abgebaut worden. Neben den Stellen in der Verwaltung stehen laut Betriebsrat derzeit weitere 20 Arbeitsplätze in der Automatisierungsabteilung zur Disposition. Dabei sei die schwierige wirtschaftliche Lage des Unternehmens zum Teil hausgemacht, unterstreicht Beer. “Uns ist mindestens ein lukrativer Auftrag durch die Lappen gegangen. Außerdem hätte das Instrument Kurzarbeit besser genutzt werden müssen.”
Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Wolfsburg, Frank Patta, nannte die Unternehmenspläne “eine schallende Ohrfeige für die Beschäftigten”, die den neuen Betriebsrat gerade erst mit großer Mehrheit gewählt hätten. “Das Unternehmen kann sich sicher sein, dass wir ein solches Vorgehen nicht hinnehmen werden.”
Die Hörmann Industrietechnik GmbH gehört zur Voith-Gruppe und beschäftigt in Wolfsburg aktuell noch rund 100 Mitarbeiter. Sie sind an mehreren Standorten eingesetzt, unter anderem in der Autostadt und bei Volkswagen.

